Gedanken von Marc Woodtli, Projektleiter LERN:GALAXIE PRO beim Verlag SKV
„Das Nützliche tun, das Mutige sagen, das Schöne betrachten: Das ist genug für ein Menschenleben.“ — T. S. Eliot
Dieser Gedanke beschäftigt mich im Zusammenhang mit KI besonders. Denn wie erkennen wir in einer Welt, in der uns jederzeit eine Fülle an Informationen zur Verfügung steht, was eigentlich nützlich ist?
Überzeugend ist nicht immer richtig
Der heute einfachste Weg ist, die KI zu fragen. Ein Anliegen eingeben, wenige Sekunden warten und schon wird eine strukturierte Antwort, eine Zusammenfassung oder ein erster Lösungsvorschlag geliefert. Der Weg über eigene Erfahrung, Auseinandersetzung und Reflexion wird dadurch verkürzt oder gänzlich übersprungen.
Darin liegt für mich eine zentrale Bildungsfrage der heutigen Zeit: Wie können wir lernen, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden?
Denn KI-Antworten wirken überzeugend. Dieses Phänomen wird als Automation Bias bezeichnet: die Tendenz, automatisierten Empfehlungen zu viel Vertrauen zu schenken und widersprüchliche Informationen zu wenig zu beachten. Bei KI ist diese Gefahr besonders gross, weil Antworten flüssig, vermeintlich plausibel und selbstsicher formuliert erscheinen.
Lernen braucht Einordnung
Am Anfang eines Lernprozesses steht oft eine Frage, eine Beobachtung oder eine konkrete Situation aus dem beruflichen oder privaten Alltag. KI kann helfen, sich einem Thema zu nähern, Informationen zu strukturieren und neue Blickwinkel zu eröffnen. Lernen entsteht jedoch nicht allein durch die Aneignung von Wissen. Es beginnt mit Neugier: wenn wir Informationen einordnen, Perspektiven gegeneinander abwägen und daraus eigene Schlüsse ziehen.
Erfahrung macht Wissen handlungsfähig
Das Erfahrungslernmodell von David Kolb beschreibt Lernen als Kreislauf: Wir machen Erfahrungen, reflektieren sie, entwickeln daraus Erkenntnisse und erproben diese in neuen Situationen.
Für das Lernen mit KI bedeutet das: Eine Antwort kann ein hilfreicher Ausgangspunkt sein. Sie ersetzt aber nicht die Auseinandersetzung mit dem eigenen Kontext, das Ausprobieren und die Verantwortung für die daraus entstehenden Entscheidungen.
Lernen für eine Welt mit KI
An dieser Haltung orientiert sich LERN:GALAXIE PRO, unser digitales Lernmedium, das beim Verlag SKV derzeit entsteht. Es soll Unternehmen, Verbände und Privatpersonen künftig beim Upskilling und Reskilling unterstützen.
Im Zentrum stehen Lernsettings, die bei echten Fragestellungen ansetzen. Sie laden dazu ein, verschiedene Sichtweisen zu prüfen, Wissen mit Erfahrungen zu verbinden und eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Unsere Bildungsredaktorinnen und Bildungsredaktoren nehmen dabei eine zentrale Rolle ein. Sie verbinden fundiertes Wissen mit Praxiserfahrung und einem Gespür dafür, was Menschen in ihrem beruflichen und privaten Alltag tatsächlich weiterbringt.
Nicht mehr Antworten, sondern bessere Urteile
Das Nützliche tun heisst im KI-Zeitalter vielleicht nicht, möglichst viele Antworten zu sammeln.
Es heisst, Antworten zu prüfen, sie mit Erfahrungen zu verbinden und daraus ein eigenes Urteil zu entwickeln. Und manchmal bedeutet es auch, an einer eigenen Idee festzuhalten – selbst dann, wenn die erste automatisierte Antwort in eine andere Richtung weist.
Das Schöne zeigt sich im Rückblick oft in dem, was wir erreicht haben. Und in dem Mut, den es gebraucht hat, den eigenen Gedanken weiterzuverfolgen.
Wie stärken wir Menschen aus deiner Sicht darin, KI sinnvoll zu nutzen – ohne das eigene Urteilsvermögen aus der Hand zu geben?



